Der Gedan-Barai bzw. der „Feger auf der unteren Stufe“ ist eine der absolut grundlegendsten Bewegungen im Karate-Dō Shōtōkan-Ryū. Erkennbar ist das an seinem Vorkommen in den Kata Taikyoku, Heian Shodan oder auch Ten no Kata. Mein Karate-Lehrer nennt ihn eine der drei (oder je nachdem vier) wichtigsten Techniken in seinem Karate.
Wie die äußere Form dieser Bewegung in etwa auszusehen hat, das weiß wohl jeder Neuling im Shōtōkan-Ryū nach kurzer Zeit. Klar, je nach Institution oder Übertragungslinie gibt es größere oder kleinere Abweichungen. Okuyama Tadao Sensei lehrte z. B. einen Gedan-Barai, bei dem die fegende Hand am Anfang nicht bis hoch zum Schulter-Hals-Bereich geführt wird. Aber ganz grob erkennt wahrscheinlich jeder Karateka einen Gedan-Barai. Eben diese äußere Form ist ein Grund für seine Wichtigkeit. Diese Form führt zum Funktionieren.
Wer das liest, denkt vielleicht sofort an „Bunkai“ oder an ulkige Bücher wie „101 Gedan-Barai“. Nein, mit „funktionieren“ meine ich etwas anderes.
Kase Taiji Sensei lehre ein Konzept, bei dem der Unterarmknochen wie eine Hiebwaffe eingesetzt wird. Er demonstrierte Gedan-Barai als scharf und hart in die Angriffsgliedmaße einschlagende (einschneidende) Technik. Und er ließ uns demgemäß üben, wieder und wieder. Ich liebte es. Ich liebte es, weil es funktionierte. Kase Senseis Ansatz war, dem Gegner mit dem ersten Kontakt klarzumachen, dass sein Angriff keine gute Idee war, dass sein Angriff ein Fehler war. Er selbst verkörperte diese Wirksamkeit noch als etwa 70-Jähriger Mann. Daran gibt es keinen Zweifel.
Dann stand ich meinem späteren Karate-Lehrer zum ersten Mal gegenüber. Während ich ihn angriff, machte ich mich auf Schmerzen im Unterarm gefasst – die kannte ich ja schon. Doch irgendetwas war anders an seinem Gedan-Barai. Darüber musste ich nachdenken, während ich mich vom Boden erhob. Und das, was anders war, wollte ich lernen. Tatsächlich verdrängte ich die mir bis dahin bekannten Karate-Ansätze (was notwendig war) und begann mich ausschließlich mit diesem für mich neuen Ansatz zu befassen.
Wer sich selbst oder die gegnerische Angriffsgliedmaße mit seinem Gedan-Barai „blockiert“, kann nicht „fegen“. Rein sprachlich ist das schon ein Unterschied. Und rein technisch bewirkt das einen großen Unterschied. Am Blockieren ist je nach Situation nichts verkehrt. Aber das Ergebnis ist beim Fegen ein anderes.
Die technische Form des Gedan-Barai nötigt mich dazu, den Arm und die Schulter nach unten zu bewegen. Und genau das ist ein Knackpunkt, wenn es um das Funktionieren des Gedan-Barai gehen soll. Diese Art von Bewegungsgefühl kann dann auf alle anderen Bewegungen übertragen werden – vorausgesetzt, der Karateka bekam es wirklich vermittelt.
Während die äußere Form des Gedan-Barai in der Soloübung (Kata) eher gleichbleibend und vollständig ausgeführt wird, ist sie in der Partnerübung (Kumite) häufig wechselnd und unvollständig. Doch bestimmte äußere Förmlichkeiten bleiben auch im Kumite bestehen. Fielen sie weg, dann würde der Gedan-Barai an Wirksamkeit verlieren oder gar nicht mehr funktionieren.
Zusätzlich zur äußeren Form sind für das Funktionieren des Gedan-Barai selbstverständlich noch viele andere Faktoren von Bedeutung, z. B. sehr gutes Timing (und kein „Fake-Timing“), Abstandsgefühl oder auch ein entschlossener Angriff. Aber auf diese Faktoren möchte ich an anderer Stelle zu sprechen kommen …
© Henning Wittwer
Hier dreht sich alles rund ums Karate, vor allem die Praxis des Karate. Genauer gesagt geht es um das aus dem historischen Shōtōkan (1938-1945) stammende Karate, das ich lerne und trainiere, um ein paar Gedanken meines Lehrers sowie mein eigenes Training. Viel Spaß beim Lesen!
Montag, 4. April 2016
Dienstag, 15. März 2016
Shōtōkan Stock 2016 in Niesky – ein Rückblick
Eine überfüllte Turnhalle, eine nahezu einheitlich auf donnernde Kommandos reagierende Menschenmasse und das großartige Gefühl, einen echten Karate-Superstar zu treffen, – ja, das gab es am Wochenende vom 5. und 6. März 2016 bestimmt andernorts in Deutschland. In Niesky trafen sich dagegen eine Handvoll lernwillige Karateka, um sich erneut oder zum ersten Mal intensiv mit dem Thema Stock im Shōtōkan-Ryū auseinanderzusetzen.
Einführend ging ich kurz auf die Lehre und geschichtliche Situation des Stocks (Bō bzw. Kon) im Shōtōkan-Ryū ein. Neulinge erlernten Schritt für Schritt die Kata Shūji no Kon, und Fortgeschrittene erhielten vertiefende Hinweise zu deren Übung.
Neben diesem Solotraining vermittelte ich viele Partnerübungen mit dem Stock (Kumibō), die mit Shūji no Kon verknüpft werden können.
Dabei stellte ich für die fortgeschrittenen Teilnehmer einige Henka vor. (Zum Begriff Henka im Shōtōkan-Ryū siehe „Shōtōkan Band II“, S. 241.)
Praktisch ließ ich die Teilnehmer zudem den Zusammenhang von „leerer Hand“ und Stock anhand eines einleuchtenden Beispiels trainieren und verstehen. Wie „leere Hand“ und Stock methodisch sinnvoll und sich gegenseitig ergänzend innerhalb des Shōtōkan-Ryū ausgeübt werden können, skizzierte ich zuvor.
Auch ein paar Unterschiede zwischen dem Umgang mit dem Stock im Karate-Dō Shōtōkan-Ryū und dem in anderen Richtungen des Karate oder des okinawanischen Kobudō brachte ich den Teilnehmern näher. Wissen über diese Unterschiede hilft dabei, weniger zweckmäßige Herangehensweisen besser zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.
Mich freute sehr, dass wirklich alle konzentriert bei der Sache waren und den Lernstoff fleißig umsetzten.
Danke nach Mülheim, Dessau, Leipzig, Freiberg und natürlich Niesky!
Anmerkung: Am 5. März 2016 verstarb Takagi Jōtarō Sensei. Seinem Einsatz haben wir heute das Wissen um den Shōtōkan-Stock zu verdanken. Ohne ihn hätte es auch unseren Lehrgang in Niesky nicht gegeben.
© Henning Wittwer
Freitag, 22. Januar 2016
Nur eine Soloübung mit dem Holzsäbel
Bereits bei meinen ersten Begegnungen mit meinem Karate-Lehrer bemerkte ich seine Affinität zum Holzsäbel (Bokutō). Sehr oft beobachtete ich, wie er vor dem Training zum Bokutō griff, um damit ein paar simple Übungen auszuführen. Besonders eine von ihnen wirkte wirklich seltsam. Mit der Zeit lernte ich sie und erhielt von ihm viele wichtige Hinweise zur richtigen und zielgerichteten Ausführung dieser wirklich eigenartig anmutenden Übung.
Er lernte diese Übung vom verstorbenen Okuyama Tadao Sensei, weswegen ich sie einfach „Okuyama-Übung“ nenne (neben „Bokutō-Übung 2“). Aus geschichtlicher Sicht ist diese Holzsäbelübung also eine jüngere Ergänzung in meiner Karate-Linie. Sie stammt gewiss nicht von Funakoshi Gichin Sensei. Mein Karate-Lehrer erzählte mir, dass das Bokutō von Okuyama Sensei am Griff regelrecht schwarze Handabdrücke aufwies, die ein Zeichen für Okuyama Senseis starke Greifkraft sind.
Für Außenstehende tritt beim Betrachten der „Okuyama-Übung“ ein Verständnisproblem auf. Denn sie lehrt einem nicht, einen Widersacher mit einem japanischen Säbel zu filetieren. Sie ist kein religiöses Ritual, keine Show, keine geheime Technik, und sie kann nicht bunkaiisiert werden. Ich als Übender stehe eigentlich nur in der Gegend rum und halte ein Bokutō senkrecht in die Luft. Das Bokutō bewegt sich dabei ein wenig. Und das war es schon, also von außen betrachtet.
Die eigentliche Arbeit findet für den Betrachter unsichtbar unter meiner Haut statt. Ziel der „Okuyama-Übung“ ist der Aufbau und die Verfeinerung meines Karate-Körpers. Tatsächlich ähnelt sie als Soloübung den herkömmlichen Kata des Karate. Die beiden auffälligen Unterschiede zu den Kata sind:
Das Bokutō erhöht die Wirkung der Übung, und durch die fehlenden Bewegungen kann ich mich intensiver auf all die subtilen Punkte meiner Körperstruktur und –mechanik konzentrieren. Trotz der äußerlichen Schlichtheit der Übung (oder gerade ihretwegen) gibt es eine Vielzahl größerer und kleinerer Punkte, die ich theoretisch kennen und dann praktisch umsetzen muss. Schritt für Schritt wächst die „Okuyama-Übung“ sozusagen zu einer immer anspruchsvolleren und tiefgründigeren Trainingsform. Ohne ständige Anleitung ist es allerdings aussichtslos, echten Nutzen aus ihr zu ziehen. Als ich vor wenigen Jahren dachte, ich verstünde sie schon ansatzweise, konnte ich nicht wissen, was ich später noch hinzulernen würde. Und dabei handelt es sich doch „nur“ um eine simple Soloübung mit dem Holzsäbel …
In ihr bündeln sich mehrere Elemente anderer notwendiger Soloübungen meines Karate. Dadurch ermöglicht sie ab einem bestimmten Verständnisniveau (ich meine theoretisches und vor allem körperliches Verständnis) in kürzerer Übungszeit einen mit vielen verschiedenen Übungen vergleichbaren Nutzen. Deswegen werden die anderen Übungen natürlich nicht hinfällig. Tatsächlich wirkt sich der Nutzen der „Okuyama-Übung“ direkt auf alle anderen Solo- und Partnerübungen aus.
Jedenfalls ist die „Okuyama-Übung“ ein fester Bestandteil des Lehrgebäudes meines Karate-Lehrers und damit meines Trainingsalltags. Sie ist also kein überflüssiges „fünftes Rad am Wagen“ meines Karate. Sie ist mit anderen Übungsformen vernetzt und ist ohne die anderen Übungsformen nur bedingt sinnvoll. Über die Bedeutung und verschiedene Aspekte eines in sich schlüssigen Karate-Lehrgebäudes schreibe ich ausführlich in meinem Buch „Karate. Kampfkunst. Hoplologie“.
© Henning Wittwer
Er lernte diese Übung vom verstorbenen Okuyama Tadao Sensei, weswegen ich sie einfach „Okuyama-Übung“ nenne (neben „Bokutō-Übung 2“). Aus geschichtlicher Sicht ist diese Holzsäbelübung also eine jüngere Ergänzung in meiner Karate-Linie. Sie stammt gewiss nicht von Funakoshi Gichin Sensei. Mein Karate-Lehrer erzählte mir, dass das Bokutō von Okuyama Sensei am Griff regelrecht schwarze Handabdrücke aufwies, die ein Zeichen für Okuyama Senseis starke Greifkraft sind.
Für Außenstehende tritt beim Betrachten der „Okuyama-Übung“ ein Verständnisproblem auf. Denn sie lehrt einem nicht, einen Widersacher mit einem japanischen Säbel zu filetieren. Sie ist kein religiöses Ritual, keine Show, keine geheime Technik, und sie kann nicht bunkaiisiert werden. Ich als Übender stehe eigentlich nur in der Gegend rum und halte ein Bokutō senkrecht in die Luft. Das Bokutō bewegt sich dabei ein wenig. Und das war es schon, also von außen betrachtet.
Die eigentliche Arbeit findet für den Betrachter unsichtbar unter meiner Haut statt. Ziel der „Okuyama-Übung“ ist der Aufbau und die Verfeinerung meines Karate-Körpers. Tatsächlich ähnelt sie als Soloübung den herkömmlichen Kata des Karate. Die beiden auffälligen Unterschiede zu den Kata sind:
- Ich halte einen Holzsäbel.
- Ich bewege mich nicht im Raum von A nach B.
Das Bokutō erhöht die Wirkung der Übung, und durch die fehlenden Bewegungen kann ich mich intensiver auf all die subtilen Punkte meiner Körperstruktur und –mechanik konzentrieren. Trotz der äußerlichen Schlichtheit der Übung (oder gerade ihretwegen) gibt es eine Vielzahl größerer und kleinerer Punkte, die ich theoretisch kennen und dann praktisch umsetzen muss. Schritt für Schritt wächst die „Okuyama-Übung“ sozusagen zu einer immer anspruchsvolleren und tiefgründigeren Trainingsform. Ohne ständige Anleitung ist es allerdings aussichtslos, echten Nutzen aus ihr zu ziehen. Als ich vor wenigen Jahren dachte, ich verstünde sie schon ansatzweise, konnte ich nicht wissen, was ich später noch hinzulernen würde. Und dabei handelt es sich doch „nur“ um eine simple Soloübung mit dem Holzsäbel …
In ihr bündeln sich mehrere Elemente anderer notwendiger Soloübungen meines Karate. Dadurch ermöglicht sie ab einem bestimmten Verständnisniveau (ich meine theoretisches und vor allem körperliches Verständnis) in kürzerer Übungszeit einen mit vielen verschiedenen Übungen vergleichbaren Nutzen. Deswegen werden die anderen Übungen natürlich nicht hinfällig. Tatsächlich wirkt sich der Nutzen der „Okuyama-Übung“ direkt auf alle anderen Solo- und Partnerübungen aus.
Jedenfalls ist die „Okuyama-Übung“ ein fester Bestandteil des Lehrgebäudes meines Karate-Lehrers und damit meines Trainingsalltags. Sie ist also kein überflüssiges „fünftes Rad am Wagen“ meines Karate. Sie ist mit anderen Übungsformen vernetzt und ist ohne die anderen Übungsformen nur bedingt sinnvoll. Über die Bedeutung und verschiedene Aspekte eines in sich schlüssigen Karate-Lehrgebäudes schreibe ich ausführlich in meinem Buch „Karate. Kampfkunst. Hoplologie“.
© Henning Wittwer
Montag, 11. Januar 2016
Dienstag, 14. Juli 2015
Jitte und die Überinterpretation
Nun weiß ich das und trainiere dementsprechend. Ich weiß aber auch, dass Jitte zu den prominenten Opfern von Überinterpretation gehört. Leute, die sich Karate eher selbst zusammenreimen, und es nie richtig (also auch langfristig) von einem – ernsthaft! – guten Karate-Lehrer lernten, sind meist die Täter.
Mein persönlicher Spitzenreiter einer solchen Überinterpretation im Karate ist die Aussage, dass Jitte eine Kata sei, die „früher“ oder „ursprünglich“ mit einem Kampfstock ausgeführt wurde. Mit anderen Worten soll (!) Jitte also den Umgang mit dem Stock gelehrt haben. Dass die Überinterpreten keine einzige Quelle von „früher“ vorweisen können, in der diese „ursprüngliche“ Ausführung mit Stock belegt wird, scheint niemanden zu stören.
Einige „Experten“ teilten ihre überinterpretierten „Stock-Jitte“ mit dem Internet (Foto und Film). Erheiternd finde ich jede einzelne davon, die ich bislang sah. Selbstverständlich ist Jitte keine Stock-Kata, der der Stock abhandenkam. Zwei allgemeine Probleme, die damit einhergehen, möchte ich kurz benennen:
- Shōtōkan-Ryū verfügt bereits über eigene Kata mit dem Stock, d. h. es besteht gar keine Notwendigkeit, eine dazu zu basteln.
- Egami Shigeru Sensei empfahl, die unbewaffneten Kata mit der Vorstellung einen Stock zu halten oder tatsächlich mit einem Stock in den Händen auszuführen. Seine Empfehlung bezieht sich auf alle Kata, besagt aber nicht, dass der Übende dadurch den Umgang mit dem Stock erlernt.
© Henning Wittwer
Montag, 13. April 2015
Karate-Lehrgänge: öffentlich & nicht öffentlich
Ich unterscheide zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Karate-Lehrgängen. Wenn mich ein Interessent einlädt, einen Karate-Lehrgang zu leiten, lautet eine meiner ersten Fragen, ob er öffentlich sein soll oder nicht. Heute klingt das vielleicht komisch, tatsächlich wurde Karate aber lange Zeit nicht öffentlich weitergegeben. Für mich sind die beiden Hauptgründe für diese Unterscheidung in der heutigen Zeit:
Mein Gastgeber trägt die gesamte organisatorische und finanzielle Last des Lehrgangs. Daher hat er von meiner Warte aus das Recht zu entscheiden, ob er den Lehrgang allein Mitgliedern seiner Übungsgruppe zugänglich machen möchte oder nicht. Durch die heute übliche Mentalität des „Internet-Sensei“ scheint die Auffassung vorzuherrschen, dass jeder alles über Karate wissen oder erfahren könne. Internet-Memes, Filmchen u. ä. von Bunkaiisten, Anhängern des Sport-Karate oder sonstigen „Experten“ zeigen quasi täglich, wie absurd diese Vorstellung ist. Sie belegen die schiere Inkompetenz dieser Internet-Sensei auf dem Feld des herkömmlichen Karate. Und sie zeigen deutlich, dass öffentlich zugängliches Wissen in vielen Fällen eher zweifelhaft als nützlich ist.
Möchte mein Gastgeber also lieber einen nicht öffentlichen Lehrgang, dann kann ich den praktischen und theoretischen Stoff entsprechend den Kenntnissen und Bedürfnissen dieser Übungsgruppe vorbereiten. Ist meinem Gastgeber ein öffentlicher Lehrgang lieber, dann weiß ich, dass ich den Stoff für ein Teilnehmerfeld vorbereiten muss, das über verschiedenartige Kenntnisse verfügt. Beides bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Ein Vorteil des öffentlichen Lehrgangs ist die Möglichkeit, mit Karate-Anhängern verschiedenartiger Hintergründe zu trainieren. Ein damit zusammenhängender Nachteil besteht darin, dass durch die verschiedenartigen Hintergründe mehr Zeit zum Vermitteln eines Punkts – den wirklich alle Teilnehmer verstehen und umsetzen können sollen – nötig ist. Alles, was ich auf meinem Lehrgang vermittle, sollte von jedem einzelnen Teilnehmer innerhalb seines Lehrgebäudes nutzbringend weiter geübt werden können. Stammen alle Teilnehmer aus ein und demselben Lehrgebäude, ist dementsprechend weniger Zeit zum Vermitteln nötig.
Ein Vorteil des nicht öffentlichen Lehrgangs ist der vertraute Umgang der Teilnehmer untereinander. Er ermöglicht ein viel tieferes Ausloten des Übungsstoffs gemeinsam mit dem Trainingspartner. Häufig wollen einander unbekannte oder weniger bekannte Teilnehmer dem jeweils anderen beweisen, dass sie „stärker“ sind, über ein besseres Verständnis verfügen usw. Ein damit einhergehender möglicher Nachteil ist eine bei zwei miteinander vertrauten Partnern einsetzende Lethargie bzw. Passivität. So kann ein Partner dem anderen durch bloßes Hinnehmen das trügerische Bild vermitteln, dass er den Stoff ausreichend gut umsetzte. Mein Ziel ist das Vermitteln von echtem Verständnis, nicht das Aufbauen eines Trugbilds von „Verständnis“.
Mit anderen Worten, Gastgeber und Teilnehmer sollten einen nicht öffentlichen Lehrgang mit einer anderen Erwartungshaltung angehen als einen öffentlichen Lehrgang.
© Henning Wittwer
- das Vorrecht des Gastgebers und
- die zielgerichtete inhaltliche Gestaltung des Lehrgangs.
Mein Gastgeber trägt die gesamte organisatorische und finanzielle Last des Lehrgangs. Daher hat er von meiner Warte aus das Recht zu entscheiden, ob er den Lehrgang allein Mitgliedern seiner Übungsgruppe zugänglich machen möchte oder nicht. Durch die heute übliche Mentalität des „Internet-Sensei“ scheint die Auffassung vorzuherrschen, dass jeder alles über Karate wissen oder erfahren könne. Internet-Memes, Filmchen u. ä. von Bunkaiisten, Anhängern des Sport-Karate oder sonstigen „Experten“ zeigen quasi täglich, wie absurd diese Vorstellung ist. Sie belegen die schiere Inkompetenz dieser Internet-Sensei auf dem Feld des herkömmlichen Karate. Und sie zeigen deutlich, dass öffentlich zugängliches Wissen in vielen Fällen eher zweifelhaft als nützlich ist.
Möchte mein Gastgeber also lieber einen nicht öffentlichen Lehrgang, dann kann ich den praktischen und theoretischen Stoff entsprechend den Kenntnissen und Bedürfnissen dieser Übungsgruppe vorbereiten. Ist meinem Gastgeber ein öffentlicher Lehrgang lieber, dann weiß ich, dass ich den Stoff für ein Teilnehmerfeld vorbereiten muss, das über verschiedenartige Kenntnisse verfügt. Beides bringt Vor- und Nachteile mit sich.
Ein Vorteil des öffentlichen Lehrgangs ist die Möglichkeit, mit Karate-Anhängern verschiedenartiger Hintergründe zu trainieren. Ein damit zusammenhängender Nachteil besteht darin, dass durch die verschiedenartigen Hintergründe mehr Zeit zum Vermitteln eines Punkts – den wirklich alle Teilnehmer verstehen und umsetzen können sollen – nötig ist. Alles, was ich auf meinem Lehrgang vermittle, sollte von jedem einzelnen Teilnehmer innerhalb seines Lehrgebäudes nutzbringend weiter geübt werden können. Stammen alle Teilnehmer aus ein und demselben Lehrgebäude, ist dementsprechend weniger Zeit zum Vermitteln nötig.Ein Vorteil des nicht öffentlichen Lehrgangs ist der vertraute Umgang der Teilnehmer untereinander. Er ermöglicht ein viel tieferes Ausloten des Übungsstoffs gemeinsam mit dem Trainingspartner. Häufig wollen einander unbekannte oder weniger bekannte Teilnehmer dem jeweils anderen beweisen, dass sie „stärker“ sind, über ein besseres Verständnis verfügen usw. Ein damit einhergehender möglicher Nachteil ist eine bei zwei miteinander vertrauten Partnern einsetzende Lethargie bzw. Passivität. So kann ein Partner dem anderen durch bloßes Hinnehmen das trügerische Bild vermitteln, dass er den Stoff ausreichend gut umsetzte. Mein Ziel ist das Vermitteln von echtem Verständnis, nicht das Aufbauen eines Trugbilds von „Verständnis“.
Mit anderen Worten, Gastgeber und Teilnehmer sollten einen nicht öffentlichen Lehrgang mit einer anderen Erwartungshaltung angehen als einen öffentlichen Lehrgang.
© Henning Wittwer
Freitag, 12. Dezember 2014
Neuer Lesestoff: "Karate. Kampfkunst. Hoplologie"
Schlechte Übersetzungen, die eher freien Interpretationen gleichen, falsch eingeordnete Quellen und die Unfähigkeit, Fehlschlüsse zu erkennen, führten und führen zu einem teilweise übel entstellten Verständnis von Karate: sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. In meinem neuen Buch skizziere ich einige Ursachen dieses mangelhaften Verständnisses. Anhand japanischer Quellen und eigener Untersuchungen korrigiere ich einige falsche Ansichten und zeige, wie Karate heute in der Praxis aufgewertet werden kann, wenn Ergebnisse ernsthafter Kampfkunstforschung erwogen und umgesetzt werden. Theorie und Praxis gehen tatsächlich Hand in Hand. Ist das theoretische Verständnis von der Geschichte, Lehre, Technik usw. des Karate mangelhaft, sieht die dazugehörige Karate-Praxis ähnlich aus.
Info und Bestellung:
https://www.gibukai.de/buch-shop/karate-kampfkunst-hoplologie/
© Henning Wittwer
Info und Bestellung:
https://www.gibukai.de/buch-shop/karate-kampfkunst-hoplologie/
© Henning Wittwer
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