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Montag, 9. September 2024

Karate im Shōtōkan 1939

Henning Wittwer "Das wahre Mark des Karate-Dô - Shôtôkan 1939"

Welche technischen Vorstellungen vertraten Adepten in der Frühzeit des Shōtōkan (1938–1945)? Und überhaupt: Was machte für sie Karate aus? Diese und ähnliche Fragen beschäftigten mich spätestens seit meinem ersten Lehrgang mit Kase Taiji Sensei. Denn sein Karate unterschied sich gravierend von dem damals hierzulande verbreiteten Sport-Karate.

Wertvolle Einblicke in das Karate aus jener Epoche lieferte mir das 1939 vom historischen Shōtōkan herausgebrachte Buch „Das wahre Mark des Karate-Dō“. Bislang gab es – soweit ich das überblicken kann – keine englische (oder gar deutsche) Übersetzung dieses Werks, weswegen ich mich dazu entschloss, es vom Japanischen ins Deutsche zu übersetzen. Denn inhaltlich gehört es zu den aufschlussreichsten Zeugnissen aus der Gründungsphase des Shōtōkan.

Als Ergänzung und zum Vergleich fügte ich dem „Wahren Mark“ einen bebilderten Aufsatz von Funakoshi Yoshitaka Sensei hinzu, der es ermöglicht, noch detailliertere Erkenntnisse zum damaligen technischen Verständnis und der Frage, was genau Karate war (bzw. sein sollte), zu gewinnen. Anhand vieler alter Fotos, die vor allem Egami Shigeru Sensei und Hironishi Motonobu Sensei (die späteren Köpfe des Shōtōkai) zeigen, werden in diesen alten Quellen technische Grundlagen, Heian Shodan (einschließlich einiger Anwendungsbeispiele), Makiwara- und Sandsackübung sowie Tori-Te bzw. Tori und fortgeschrittene Kumite vorgestellt. Verdeutlicht wird dabei, dass Kumite im Shōtōkan eine äußerst lebendige und nervenaufreibende Angelegenheit war.

In meinen Anmerkungen liefere ich weitere Informationen über Funakoshi Yoshitaka Sensei und Knackpunkte der Technikgeschichte des Karate. Dabei war es mir wichtig, Yoshitaka Senseis Lebenswirklichkeit in den 1930er Jahren näher zu beleuchten, um ihn so auch menschlich greifbarer zu machen. Aus meiner Sicht bedeutsame Ausführungen füge ich zudem über die „Schreie“ (Kiai) im Karate sowie über Itosu Ankō Senseis Lehrtext von 1908 hinzu.

Insgesamt lädt das Buch dazu ein, bestehendes Wissen zur Technikgeschichte des Karate allgemein und der des Shōtōkan insbesondere zu hinterfragen, zu erneuern und zu erweitern.

Bestellt werden kann es hier:

https://www.gibukai.de/karate-do-shinzui/

© Henning Wittwer

Donnerstag, 21. März 2024

Karate-Lehrgang 2024 in Niesky – Ein paar Bilder und Gedanken

Und da war es schon wieder soweit: Mitte März 2024 durfte ich abermals einen beinahe jährlich stattfindenden Karate-Lehrgang zum Thema Stock im Shōtōkan-Ryū leiten. Die Zeit verfliegt … Meine Freude am Lehrgang bleibt …

Letzteres liegt gewiss auch an den Teilnehmern, die neugierig und aufgeschlossen zum ersten Mal anreisten oder mit offenbar ungebrochenem Interesse zum wiederholten Mal zum Gelingen beitrugen.

Meine Karate-Lehrgänge erachte ich als Erweiterungen meiner Bücher. Daher verfolgen sie keine Verbandspolitik und sind für Mitglieder aller Shōtōkai- und Shōtōkan-Gruppen zugänglich. Auch diesmal fanden sich Mitglieder verschiedener Organisationen in Niesky zusammen, um gemeinsam zu lernen und zu üben.


Obwohl es im herkömmlichen Karate-Dō Shōtōkan-Ryū „nur“ vier Stock-Kata gibt, verfügen sie über eine erstaunlich hohe inhaltlich-technische Ergiebigkeit. Mit anderen Worten, es gab viel zu tun!

Wie üblich brachte ich einer Gruppe den Ablauf der Kata Shūji no Kon nahe, wobei bestimmte Unterschiede zwischen den Fassungen dieser Form in modernen „Kobudō“-Verbänden und der des Shōtōkan angesprochen, erkannt und von mir erläutert wurden. Solche Unterschiede helfen nicht nur dabei, Shōtōkan-Ryū an sich stärker wertzuschätzen, sondern auch Genauigkeit und Sinn der entsprechenden Bewegungen besser zu verinnerlichen.

Matsukaze no Kon war und ist d i e Stock-Kata des Shōtōkan-Ryū schlechthin. Denn sie wurde von Funakoshi Yoshitaka Sensei zusammengestellt und lässt durch ihre beweglichen wie wuchtigen Handlungen die Begabung ihres Schöpfers erahnen. Diesmal lernte und vertiefte die Gruppe der auf dem Gebiet des Shōtōkan-Stocks Fortgeschrittenen eben jene Matsukaze no Kon.

Wie üblich vermittelte ich zudem viele mit der jeweiligen Kata zusammenhängende Partnerübungen, die einerseits der besseren Handhabung des Stocks, andererseits dem klareren Verständnis hinsichtlich seines kämpferischen Einsatzes (Kumibō) dienen.

Ein wesentliches Element des Kampfes mit „leeren Händen“ gegen Stockangriffe (Bō-Dori) hatte ich außerdem zur Erläuterung und Übung in der zweiten Gruppe vorgesehen.

Insbesondere hier zeigte sich gut, wie die Übung waffenloser und bewaffneter Elemente im Shōtōkan-Ryū zusammenfließen. Fehlte eines der beiden, bliebe eine kaputte Kampfkunst übrig! Darum hoffe ich, dass alle Teilnehmer diesen Punkt nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch – wenigstens in Ansätzen – nachvollziehen konnten.

Zusätzlich zu den körperlichen Anteilen trug ich einige wesentliche Punkte zur Geschichte und Lehre des Stocks im Shōtōkan vor, die den anwesenden Karateka beim Verinnerlichen behilflich sein sollen.

Als sehr angenehm empfand ich die von fleißigem, interessiertem und konzentriertem Mitmachen geprägte Atmosphäre über das gesamte Wochenende hinweg, die auch den ein oder anderen Regenguss schnell vergessen ließ ...


Danke nach Ilmenau, Dippoldiswalde, Leipzig, Doberlug-Kirchhain, Bernau, Wildau, Freiburg und natürlich Niesky!

© Henning Wittwer

Donnerstag, 25. Januar 2024

Karate-Lehrgang mit Henning Wittwer am 16. & 17. März 2024 in Niesky

 

Am dritten Märzwochenende 2024 wird erneut ein öffentlicher Karate-Lehrgang mit mir stattfinden. Auf dem Programm stehen die Stock-Kata des Karate-Dō Shōtōkan-Ryū. Dieser Lehrgang ist für Anhänger aller Shōtōkan- und Shōtōkai-Gruppen ausgelegt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und es wird zwei Gruppen geben. Infos zur Teilnahme und Anmeldung können dem Poster oder dem PDF auf meiner Webseite entnommen werden.

© Henning Wittwer

Sonntag, 2. April 2023

Ein Stocklehrgang mit umgestellten Uhren

Ausschließlich Karateka, die schon mehrfach an meinen Karate-Lehrgängen zum Thema Stock im Shōtōkan-Ryū teilgenommen haben, fanden sich am 25. und 26. März 2023 in Niesky zusammen, um ihr diesbezügliches Wissen und Können zu festigen und zu vertiefen.

Als Ausgangspunkt des Lehrgangs wählte ich die Kata Sakugawa no Kon und wies erneut darauf hin, dass es sich um die Fassung aus dem Karate-Dō Shōtōkan-Ryū handelt. Es ging also nicht um Sakugawa no Kon aus „irgendeiner“ modernen Richtung des „Kobudō“.
 
Schritt für Schritt vermittelte ich allen Teilnehmern also den technischen Ablauf dieser Kata und wies dabei auf technische Kniffe der Stockführung im Stil des historischen Shōtōkan (1938–1945) hin. In diesem Zusammenhang zeigte ich auch praktische Unterschiede zu anderen Stilen des aus Okinawa stammenden Stockkampfs auf.
Für ebenso wichtig erachte ich ein gutes Verständnis von den theoretischen Grundlagen, wie Lehre, Geschichte, Methodik oder auch Folklore des Stocks im Shōtōkan-Ryū. Denn dieses Wissen hat unmittelbaren Einfluss auf die Übungspraxis des Karate, falls es bekannt ist und zudem auch angenommen wird … Folglich standen gleichfalls theoretische Exkurse auf meinem Programm.
Hand in Hand mit der Soloform Sakugawa no Kon stellte ich viele verschiedene Partnerübungen (Kumibō) vor, bei denen einzelne Bewegungen und Bewegungsfolgen der Kata mit bzw. gegen Handlungen eines ebenfalls mit Stock bewaffneten Übungspartners eingesetzt werden konnten. Dabei unterschied ich eher „harte“ () und eher „weiche“ () Techniken.
Ebenso verglich ich bestimmte Techniken mit dem Stock mit denen ohne Waffen, die etwa in den Kata Tekki Shodan, Bassai, Kankū und Ten no Kata geübt werden. Diese Vergleiche, so hoffe ich, helfen dabei, das von Funakoshi Gichin Sensei und einigen seiner Schüler gelehrte Konzept der Einheit des Trainings mit „leeren Händen“ und des Trainings mit Stock besser zu verstehen, nachzuempfinden und im eigenen Keiko umzusetzen.
Schließlich durften für die fortgeschrittenen Teilnehmer die „traditionellen“ Partnerübungen mit leerer Hand gegen Angriffe mit dem Stock (Bō-Dori), wie sie von Funakoshi Sensei gelehrt wurden, nicht fehlen.
Ungeachtet der umzustellenden Uhren an jenem Lehrgangswochenende waren alle Teilnehmer erfreulicherweise sehr wach und interessiert, so dass es mir nicht schwerfiel, den geplanten Stoff an Frau und Mann zu bringen …

Danke nach Ilmenau, Dippoldiswalde, Leipzig, Seifhennersdorf, Bernau und natürlich Niesky!

© Henning Wittwer

Samstag, 8. Oktober 2022

Tekki im Thüringer Wald: Rückblick auf meinen Karate-Lehrgang in Ilmenau

Bereits zum zweiten Mal folgte ich am 10. und 11. September 2022 einer freundlichen Einladung in die sehenswerte thüringische Universitätsstadt Ilmenau, um dort – unterstützt von meinem Trainingspartner Rico Fuchs – einen Karate-Lehrgang zu leiten. Thematisch sollte es an jenem Wochenende um die Tekki-Serie innerhalb des Lehrgebäudes des Karate-Dō Shōtōkan-Ryū gehen.


Hierzu erläuterte ich anfangs das um 1900 herum gebräuchliche Tai-Yō-Konzept sowie das herkömmliche Verständnis von Kata im Verhältnis zum Kumite.


Von diesen Trittsteinen ausgehend, vermittelte ich den Teilnehmenden aus Nah und Fern Grundlegendes zur von Funakoshi Gichin Sensei ausgeübten und gelehrten Krafterzeugung in den Tekki-Formen.


Obwohl diese Art von Körpereinsatz für alle eine ungewohnte Herausforderung darstellte, sah ich erfreut, dass sie sie einmütig umzusetzen versuchten.


Erfreut war ich deshalb, weil ich nur zu gut in Erinnerung habe, wie starrköpfig viele Karateka auf von mir in der Vergangenheit besuchten Lehrgängen mit verschiedenen japanischen Lehrmeistern, ungeachtet des unterrichteten Stoffs, „ihr Ding“ durchzogen …


Auf den Solo-Kata aufbauend, stellte ich zudem verschiedene einfache und komplexere Kumite-Formen vor, die sowohl - als auch -Aspekte des Shōtōkan-Ryū umfassten. Dabei verdeutlichte ich den Anwesenden immer wieder die Verbindung von Tekki einerseits und eingeübtem Kumite andererseits.

Darüber hinaus erklärte ich verschiedene, das Thema betreffende geschichtliche, sprachliche, taktische und methodische Hintergründe sowie einige technische Unterscheidungsmerkmale zwischen Tekki aus dem historischen Shōtōkan (1938–1945) und Fassungen dieser Kata aus anderen Übertragungslinien. Wer sie noch einmal „in Ruhe“ nachlesen möchte, hat dazu die Möglichkeit in meinem Band I und meiner Nyūmon-Übersetzung.

Als sehr angenehm empfand ich die lernwillige und konzentrierte Trainingsatmosphäre, die es mir ermöglichte, die eingeplanten Inhalte problemlos weiterzugeben. Abgerundet wurde mein Besuch durch die einwandfreie Organisation meiner Gastgeber.

Dankeschön nach Ilmenau!

© Henning Wittwer

Sonntag, 31. Juli 2022

Karate-Lehrgang in Ilmenau im September 2022

Anfang September werde ich in Ilmenau einen Karate-Lehrgang zum Thema Tekki im Shôtôkan leiten. Alle Infos sind auf dem Plakat zu finden.



Donnerstag, 26. März 2020

Von Stöcken und Seife

Vorzeichen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, begleiteten mich in den Wochen und Tagen vor meinem diesjährigen Karate-Lehrgang in Niesky Anfang März. Zum einen freute ich mich, dass es neben ein paar neuen Teilnehmern auch Anmeldungen von Wiederholungstätern auf dem Feld des Shōtōkan-Stocks gab. Zum anderen waren da Nachrichten aus China, denen Nachrichten aus Europa folgten, die eindringlich vor einem neuen Corona-Virus warnten. Sie veranlassten mich, besonders gut den Informationen eines sächsischen Virologen zu lauschen, um die Durchführbarkeit des Lehrgangs zu erwägen. Zu diesem Zeitpunkt war das Gefährdungspotential vor Ort gering, doch wir waren gewarnt und achteten besonders auf das Vorhandensein von Seife in den beiden Hallen.

Alle Teilnehmer blieben an dem Wochenende gesund und konnten obendrein viel lernen und vertiefen. Für Neulinge stand mit Shūji no Kon die erste Stock-Kata des Shōtōkan-Ryū auf dem Programm. In diesem Zusammenhang konnte ich auch die nicht unwichtige Frage klären, ob die Reihenfolge des Unterrichts von mir stammt oder aus dem historischen Shōtōkan. Tatsächlich stammt sie aus letzterem …

In einer zweiten Gruppe vermittelte ich die von Funakoshi Yoshitaka Sensei stammende Matsukaze no Kon, die ein echtes Juwel des Shōtōkan-Ryū darstellt.

Neben den Abläufen und Feinheiten dieser beiden Kata gab es auch zahlreiche Partnerübungen (Kumibō), die mit diesen Formen in Zusammenhang stehen. Wie ich in den Theorieteilen erklärte, bildeten die Solo-Kata die historische Grundlage des Lehrgebäudes, auf denen Partnerübungen aufbauten. Erfahrene Teilnehmer übten darüber hinaus zum ersten oder wiederholten Mal unbewaffnete Verfahren gegen Angriffe mit dem Stock (Bō-Dori), die ebenfalls Bestandteil des herkömmlichen Shōtōkan-Ryū sind.

Rauchende Köpfe, viele gestellte Fragen und Aha-Erlebnisse zeigten mir, wie erfreulich interessiert alle bei der Sache waren. Tatsächlich waren wir alle so vertieft, dass wir diesmal die Fotos fast vergaßen …


Eine Woche später wurden in Niesky und landesweit alle Turnhallen als Teil umfassender Schutzmaßnahmen vor dem neuen Corona-Virus verschlossen.

Danke nach Ilmenau, Scharbeutz, Dippoldiswalde und natürlich Niesky!

© Henning Wittwer

Donnerstag, 29. August 2019

Trainingspartner im Karate

Einer der entscheidenden Faktoren für ein erfolgreiches Training im Budō-Karate ist ein guter Trainingspartner. Besser als  ein guter Trainingspartner sind ein paar gute Trainingspartner. Häufig scheinen es Karateka zu lieben, von „Schülern“ zu sprechen: „Ich habe so und so viele Schüler“, „Heute waren meine Schüler aber faul.“, „Heute waren meine Schüler fleißig.“ „Schüler“ zu haben ist super fürs Ego, fürs Prestige, glaube ich. Denn so erhebt man sich selbst über eine Gruppe von Menschen – sowohl intern als auch nach außen.

Ich persönlich möchte keine Schüler, ich möchte Trainingspartner. Ich brauche Trainingspartner.

Diesen Gedanken übernahm ich von meinem Karate-Lehrer. Im Budō-Karate ist Masse nicht gleich Klasse. Und um meine eigenen technischen Fertigkeiten (Waza) qualitativ anheben zu können, benötige ich echte Trainingspartner. Besser ausgedrückt: Ich bin abhängig von ihnen. Umgekehrt sind meine Trainingspartner abhängig von mir. Auch meine Trainingspartner benötigen ihrerseits einen guten Trainingspartner, um ihre technische Fertigkeit zu verbessern.

Solo-Kata waren, sind und bleiben die unbestreitbar entscheidende Grundlage, nicht aber das Ziel meines Karate. Mein technisches Ziel im Karate kann ich nur mit Hilfe eines guten Trainingspartners erreichen. Allein funktioniert das nicht. Dies sind einige der Gründe:

Erstens kann mein Trainingspartner – auf eine eher grundlegende Weise – mal hier schieben, mal da ziehen oder je nachdem mal drücken, halten, heben, um meinen „Karate-Körper“ einstellen zu helfen. Klingt banal, ist aber entscheidend wichtig.

Zweitens ist er unabdingbar, um Dinge, wie Timing, Rhythmus, Abstand usw. zu studieren. Diese werden nicht durch die Übung der Solo-Kata trainiert. Sie sind auch nicht wirklich in der Solo-Kata enthalten. Allein mit Hilfe eines Trainingspartners kann ich sie lernen.

Drittens ist sein Feedback für mich wesentlich, um Anpassungen und Veränderungen in die korrekte Richtung hin zum Trainingsziel vornehmen zu können.

Viertens brauche ich den Angriff eines Trainingspartners, nicht den eines Schülers, um echte Fortschritte zu machen. Ein Schüler neigt nämlich dazu, wie ein Schüler anzugreifen. Durch etwas Nachdenken und Beobachtung sollte klar werden, wie sich der Angriff eines Schülers von dem eines Trainingspartners unterscheidet. Dies beinhaltet u. a. etwas, das ich „Fake-Timing“ nenne und später mal besprechen möchte.

Bei alledem ist eine Frage noch unbeantwortet. Wo bekomme ich echte Trainingspartner her? Eine Erkenntnis aus einigen Jahren Karate-Übung ist, dass gute Trainingspartner nicht vom Himmel fallen. Sie sind im Gegenteil rar gesät.

Auf jeden Fall ist für das Zustandekommen einer Trainingspartnerschaft gegenseitiges Vertrauen unabdingbar. Schließlich erfordert das gemeinsam angesteuerte Trainingsziel einen hohen zeitlichen Aufwand, und Zeitverschwendung mit Möchtegernen ist alles andere als produktiv. Hinzu kommt eine immanente Gefahr für Körper (und Geist), die fortgeschrittene Übungsformen (Kumite) mit sich bringen. Eine Person, von der ich weiß, dass sie gerne mal normale Regeln „in ihrem Sinne“ auslegt oder gar lügt und betrügt, möchte ich selbstverständlich nicht in meinem Keiko haben. Denn dieses Vorwissen verdeutlicht, dass eine solche Person als potentieller Trainingspartner ebenso handeln würde und dass somit im schlimmsten Fall meine Gesundheit und die meiner Trainingspartner auf dem Spiel stünden.

Folglich ist eine Vorauswahl unvermeidlich. Die Geschichte des Karate zeigt übrigens, dass Karate-Adepten im neunzehnten Jahrhundert ganz ähnlich dachten …

© Henning Wittwer

Mittwoch, 27. März 2019

Rückblick auf den Shōtōkan-Stock-Lehrgang 2019 in Niesky

Pünktlich zum Frühlingsbeginn wies mich mein Kalender auf einen neuen Karate-Lehrgang zum Thema Shōtōkan-Stock hin. Doppelte Freude bedeutete das für mich, da das kalte Schmuddelwetter einem absehbaren Ende entgegenschlittert und ich mit überwiegend Wiederholungstätern – neben zwei Neulingen auf dem Feld des Shōtōkan-Stocks – zahlreiche Details und Übungen zu Shūji no Kon und Sakugawa no Kon wiederholen, vertiefen und zusätzlich vorstellen konnte.

Wie so oft musste ich meinen Enthusiasmus bei der Planung des Lehrgangs bremsen: Es gäbe ja so viel zu lernen, wäre da nicht das übliche Zeitproblem. Zwei Tage standen zur Verfügung, was einerseits ein solider Rahmen ist, andererseits am Ende doch irgendwie immer auch zu kurz scheint …

Geschichtliche, sprachliche, folkloristische und methodische Hintergründe vermittelte ich wie üblich in Theorieteilen, die die wichtige Basis für die praktischen Abschnitte des Lehrgangs bildeten. Denn es ging nicht darum, „irgendetwas“ zu lernen und auszuüben. Und so hoffe ich, dass sich dieses Hintergrundwissen bei allen Teilnehmern förderlich auf ihren weiteren Karate-Weg auswirken wird.


Eine besondere Herausforderung beim Umgang mit dem Stock ist und bleibt der korrekte Körpereinsatz, der im Idealfalle zu wirksamen Techniken einerseits, andererseits mit dem Karate-Körper ohne Waffe(n) in den Händen übereinstimmen und ihn ausfeilen helfen sollte. Daher wies ich auf vielerlei Einzelheiten hin und ließ diese körperlich nachvollziehen.

Nicht allein die Auswahl der Stock-Kata und deren besondere Abläufe machen sie zu Stock-Kata des Shōtōkan-Ryū, sondern insbesondere auch die spezifische Handhabung des Stocks. Aus diesem Grund zeigte ich in beiden Gruppen immer wieder Unterschiede zwischen der -Handhabung im Shōtōkan-Ryū und einigen „Kobudō“-Organisationen auf.

Schrittweise beginnt sich das Ganze so auch wie Shōtōkan-Ryū „anzufühlen“ …

 

Für beide Gruppen standen neben den jeweiligen Solo-Kata viele, ihnen entsprechende Partnerübungen (Kumibō) auf dem Programm.

Dabei zeigte ich insbesondere die Übereinstimmung des Körpereinsatzes bei einem Wurf des Shōtōkan-Ryū mit leeren Händen und einem mit Stock auf, die dann ausprobierend und übend nachvollzogen werden konnte.

Hinzu kamen in Gruppe B mehrere Henka sowie Bō-Dori.

Bei letzteren legte ich dieses Mal nicht den Schwerpunkt auf die Vollständigkeit, sondern auf die Herausarbeitung eines Wirkprinzips, dass ihnen zugrunde liegt, aber üblicherweise verkannt wird oder gar nicht bekannt ist.




Danke nach Ilmenau, Dippoldiswalde, Dessau, Leipzig, Potsdam und natürlich Niesky!

© Henning Wittwer

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Shōtōkan-Stock-Lehrgang 2019 in Niesky

Bald ist es wieder soweit. Am 2. und 3. März 2019 wird erneut ein Karate-Lehrgang mit mir in Niesky stattfinden. Thematisch wird es um den Shōtōkan-Stock gehen. Wie in den Vorjahren sind zwei kleine Gruppen geplant. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich, da die Gruppengrößen wie immer klein gehalten werden. Alle notwendigen Infos sind auf dem Plakat zu finden. Inhaltliche Fragen beantworte ich gern ...


© Henning Wittwer

Mittwoch, 5. September 2018

Eindrücke vom Shōtōkan-Stock-Lehrgang 2018 in Ilmenau

Anfang September 2018 folgte ich einer freundlichen Einladung nach Thüringen, um dort einen Karate-Lehrgang zum Thema Stock im Shōtōkan-Ryū abzuhalten. Begleitet wurde ich von meinem Trainingspartner Rico Fuchs und heiterem Wetter, das offenbar für Ilmenau untypisch ist.

Für fast alle Teilnehmer war es die erste Begegnung mit dem Shōtōkan-Stock, und daher begann ich den Lehrgang mit einem kurzen geschichtlichen Überblick, bei dem ich ein paar der Hauptgründe für das Fehlen des Stocks in den heute stärker verbreiteten Shōtōkan-Organisationen benannte. Gleichzeitig wies ich auf seine technische Bedeutung im historischen Shōtōkan (1938–1945) und folglich auch für heutige Übende hin.

Shūji no Kon, die grundlegende Stock-Kata des Shōtōkan-Ryū, war das Thema dieser Fortbildung, zu der sich Teilnehmer aus drei, vier verschiedenen Shōtōkan-/Shōtōkai-Gruppen zusammenfanden. Ich konzentrierte mich auf das Vermitteln des Ablaufs dieser Kata, einiger Probleme der damit einhergehenden Körpermechanik und verschiedener passender Partnerübungen (Kumibō).

Erfreulich für mich war die wissensdurstige, aufmerksame und aufgeschlossene Trainingsatmosphäre, die es mir leicht machte, den geplanten praktischen und theoretischen Stoff weiterzugeben. Auch die tadellose Organisation fiel mir positiv auf.

Am Rande kamen natürlich auch weitere begriffliche und historische Fragen über Karate zur Sprache, deren Beantwortung, so hoffe ich, auf dem künftigen Karate-„Weg“ eine Hilfestellung sein wird …


Dankeschön nach Ilmenau!

© Henning Wittwer