Mittwoch, 9. Mai 2012

Besuch in der Druckerei

Heute führte mich mein Weg durch gelbe Rapsblütenmeere und duftende Fliederwolken zu der Druckerei, in der 2007 „Shōtōkan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen“ gedruckt wurde. Grund meines Besuchs war der Druckauftrag für „Shōtōkan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen. Band II“. Diese Druckerei ist nach eigenen Angaben ein Traditionsbetrieb, der bereits 1833 gegründet wurde. Vielleicht interessiert den einen oder anderen Leser, wo Band I angefertigt wurde und Band II gerade in Arbeit ist. Deshalb anbei ein leicht verwackeltes Bild …

© Henning Wittwer

Sonntag, 22. April 2012

Karate-Lehrgang in Niesky: Bildnachlese

Im März veranstaltete der Nieskyer Karate-Verein einen Lehrgang mit mir, bei dem es um den Stock aus dem Karate-Dō Shōtōkan-Ryū ging. Nun erhielt ich freundlicherweise von einem Teilnehmer ein paar Fotos, die zwar keine technischen Details oder theoretischen Kenntnisse, zumindest aber einen kleinen Eindruck vom Geschehen vermitteln können. Neben den reinen Kata-Abläufen standen jede Menge Partnerübungen auf dem Programm, z.B. Kumibō, ...

... grundlegende Übungen zum Verstehen der "Körperstruktur" im orthodoxen Shōtōkan-Ryū oder ...














... auch theoretische Erläuterungen zu geschichtlichen Hintergründen und zur Lehre.




Danke nach Leipzig, Dessau, Löbau, München, Freiberg und natürlich Niesky!

© Henning Wittwer

Dienstag, 10. Januar 2012

Shōtōkan Stock Lehrgang 2012 in Niesky

Am ersten Wochenende im März 2012 veranstaltet der Nieskyer Karate-Verein erneut einen Karate-Lehrgang mit mir, bei dem es um den Stock (Kon bzw. ) im Shōtōkan-Ryū geht. Wie im letzten Jahr wird es zwei Gruppen geben, eine für Karateka, die bereits an meinen Lehrgängen teilgenommen haben, und eine für Neueinsteiger auf dem Gebiet des Shōtōkan-Stocks. Weitere Infos auf der Einladung links (durch Anklicken kann sie vergrößert werden).

Wenden Sie sich bitte für organisatorische Fragen und um sich anzumelden an den Organisator.

Inhaltliche Fragen können Sie gerne an mich richten:

Gibukai@gmx.de

© Henning Wittwer

Montag, 2. Januar 2012

Eindrücke vom Karate-Lehrgang in Basel

Vor zwei Monaten leitete ich in Basel, Schweiz, einen Karate-Lehrgang, der eine Einführung in Theorie und Praxis des Stocks ( bzw. Kon) im Shōtōkan-Ryū bot. Nun erhielt ich ein paar Erinnerungsphotos, die mich veranlaßten, kurz meine Eindrücke vom Lehrgang zu schildern.


Das Teilnehmerfeld bestand aus schweizerischen, deutschen und französischen Karateka, von denen die Mehrzahl schon „etwas“ länger Teil der Karate-Welt ist. Alle Anwesenden waren sehr wissbegierig und trotz qualmender Köpfe – den Begriff „Lehrgang“ nehme ich wörtlich, d.h. ich vermittle tatsächlich Inhalte – bis zum Ende äußerst konzentriert. Für mich bot sich also ein gutes Umfeld, um Schritt für Schritt auch komplexere und anstrengendere Übungen einzuführen.





























Meine Lehrgangsziele waren, daß alle Teilnehmer (1) den vollständigen Ablauf der Kata Shūji no Kon einschließlich ihrer technischen Anwendungsmöglichkeiten kennenlernen und (2) den technischen Zusammenhang zwischen „leerer Hand“ (unbewaffneten Verfahren) und den Stocktechniken im Shōtōkan-Ryū nachvollziehen und gewinnbringend umsetzen können. Rückmeldungen der Anwesenden bestätigten, daß beide Ziele erreicht wurden.



Ganz nebenbei bekam auch ich selbst mal etwas Neues zu Gesicht, nämlich eine großformatige, von Ōshima Tsutomu Sensei unterzeichnete Kalligraphie, die er in den 1970er Jahren einem seiner damals ranghöchsten Schüler in Europa schenkte. Es handelt sich bei ihr um eine aus vier Schriftzeichen bestehende Redewendung (Yoji Seigo). Japanisch wird sie „Iichi Kanshi“ gelesen und sie bedeutet etwa „Durchdringe dies mit Einem“ oder „Durchdringe ihn mit Einem“. Solche Funde lassen mein Herz höherschlagen!


Dankeschön und Merci bien nach Basel!

© Henning Wittwer

Montag, 19. Dezember 2011

Karate ist kein Yakuza-Fighting

Manchmal verlautbaren Leute, die sich für befähigt halten, ein solches Urteil abzuliefern, daß Karate „unrealistisch“ und ungeeignet für „die Straße“ sei. Mit „Karate“ meinen sie das, was sie selbst so aus ihrem meist nicht wirklich weiten Umfeld als „Karate“ kennen und für „Karate“ halten. Was oder wo genau „die Straße“ ist, läßt sich so leicht nicht beantworten, aber meist dürfte es sich dabei um eine eher diffuse Metapher für eine Situation handeln, in der sich jemand in einer nicht sportlichen Schlägerei wiederfindet oder als Opfer eines tätlichen Überfalls endet. Je nach Grad der Cleverness – weil wer den Durchblick hat, ist clever – werden dann Mixed Martial Arts (MMA), Krav Maga (KM) oder Supreme-Anti-Agonistic-Real-Terror-Vital-Point-Street-Defence-Jitsu (SAARTVPSDJ) – „Jitsu“ mit ‚i‘ – als „realistische“ Alternativen feilgeboten. Und damit verbunden entsteht ein Bild davon, wie ein „realistischer“ Kampf und folglich eine „realistische“ Vorbereitung auf denselben auszusehen hat. Klar, Karate kommt diesem Bild dann zumeist ganz und gar nicht nahe…

Ausweg aus dieser Misere ist, daß Karate „angepaßt“ werden „muß“, entweder subtil durch Integration von bunkaiistischen Lehren (die nichts anderes sind als MMA, KM, SAARTVPSDJ usw., welche in ein Karate-Korsett gezwängt wurden, um diesen bereits vorhandenen Markt nutzen zu können) oder direkt durch parallel laufendes Zusatztraining in MMA, KM, SAARTVPSDJ usw. Kurzum, nur wer diesem MMA-artigen Bild des sich prügelnden Kämpfens nahekommt, trainiert und ist „realistisch“!

Doch auch in einer Übungsform des Sport-Karate, die in Deutschland unverständlicherweise häufig „Randori“ genannt wird, findet manchmal nichts anderes als grobschlächtiges, mehr oder weniger „kontrolliertes“ Herumgeprügel statt. Dies läuft gerne mal unter dem Motto „nur die Harten kommen in den Garten“. Sorry, mit technisch ausgereiftem Karate hat so etwas nichts zu tun!

Kinder prügeln sich auf Schulhöfen – ohne jemals Karate oder gar MMA, KM, SAARTVPSDJ usw. trainiert zu haben. D.h., prügeln kann sich jeder. Je öfter sich jemand prügelt, desto versierter prügelt er sich. Um einfach mal „draufzukloppen“, brauche ich schlicht gar nichts trainieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Karate hat nichts mit einer Prügelei zu tun.

Funakoshi Gichin Sensei lehrte: „Karate ist die Kampfkunst der vollkommen tugendhaften Menschen (Kunshi).“

Einer seiner vielen Schüler, Kubota Shōichi Sensei, betonte: „Karate ist keine Rauftechnik (Kakutō-Gi).“

Und mein eigener Karate-Lehrer, Harada Mitsusuke Sensei, meint beispielsweise: „Karate ist kein Yakuza-Fighting.“

Aus technischer Sicht wäre es Zeit- und Energieverschwendung, einer technisch derartig tiefgründigen Kampfkunst wie Karate nachzugehen, wenn der Trainierende sich eigentlich nur hin und wieder mal prügeln oder in der Annahme einkuscheln will, daß er durch seine Trainingsteilnahme bestimmt als „Sieger“ aus künftigen Schlägereien hervorgehen wird. In diesen Fällen sind MMA, KM, SAARTVPSDJ usw. tatsächlich die sinnvollere Wahl.

Technisches Ziel im Budō-Karate ist die möglichst schnelle Beendigung einer kämpferischen Situation, nicht ein in die Länge gezogener Schlagaustausch. Und eben auf Grund dieses anspruchsvollen Ziels ist ein enormer Trainingsaufwand (und ein tatsächlich kompetenter Sensei) notwendig. Mein Trainingsziel diktiert Inhalt und Methode meines Trainings. Verfolge ich also ein anderes Ziel, wird es Zeit, mich dem Training einer anderen Kampfkunst, einem Kampfsport oder was auch immer zu widmen. Halte ich andererseits das technische Ziel des Budō-Karate für „realistisch“, erreichbar und erstrebenswert, dann muß ich auch demgemäß trainieren. Denn Wischiwaschi erzeugt Wischiwaschi…

© Henning Wittwer

Freitag, 7. Oktober 2011

Shōtōkan Stock Lehrgang in Basel, Schweiz

Für den 5. und 6. November 2011 erhielt ich eine freundliche Einladung in die Schweiz, nach Basel, um dort einen Karate-Lehrgang abzuhalten. Thema dieses Lehrgangs wird der Stock ( bzw. Kon) aus dem Shōtōkan sein.

Samstag Vormittag starten wir mit einem Vortrag zu den geschichtlichen, philosophischen und technischen Hintergründen des Stocks aus dem historischen Shōtōkan-Dōjō (1938-1945).

Dann folgt das schrittweise Erlernen des Ablaufs der Kata Shūji no Kon, welche im Shōtōkan-Ryū die Kihon-Gata mit dem Stock darstellt. Trainingsziel ist, daß jeder Teilnehmer den Ablauf nach dem Wochenende drauf hat, um ihn danach allein und seiner Shōtōkan-Ausprägung gemäß weiterüben zu können.

Natürlich führen wir zur Unterstützung jede Menge Partnerübungen durch, so daß nicht nur die Technik selbst klar wird, sondern auch die technische Verbindung von Stock und leerer Hand im Shōtōkan-Ryū.

Der Lehrgang dient der Einführung in das Thema, d.h. vor allem ist er für Karateka gedacht, die noch keine Erfahrungen mit dem Shōtōkan-Stock besitzen. Grundsätzlich sind Mitglieder aller Shōtōkan- und Shōtōkai-Gruppierungen willkommen. Jedoch sollten die Teilnehmer keine Anfänger sein und zumindest die Abläufe der ersten drei Heian-Formen kennen. Ein eigener (ca. 1,82 m) wäre auch mitzubringen.


Zeitplan:


Samstag
9:oo - 12:oo Uhr und 14:oo - 17:oo Uhr


Sonntag
10:oo - 13:oo Uhr

Trainingsort:

Turnhalle Missionsstrasse 21
4055 Basel
Schweiz

Fragen können gerne an mich oder an den Veranstalter gerichtet werden.

© Henning Wittwer

Donnerstag, 18. August 2011

Die Gōrei-Krankheit

Gōrei“ ist ein cooler, japanischer Begriff, der soviel wie „Kommando“ bedeutet. Gōrei sind häufig Zahlen, die im Kommandoton in Richtung der Karate-Schüler schallen. Etwa so:

Ichi ! – Ni ! – San ! – Shi ! – Go !“

Oder:

Ichi ! – Ni ! – San ! – Kiai !”

Natürlich können sie auch auf Deutsch gegeben werden (aber japanische Zahlen klingen irgendwie kompetenter…). Wahrscheinlich weiß jeder Karateka, was mit Gōrei gemeint ist. Daß Gōrei im Karate historische Gründe haben, erklärte ich schon an anderer Stelle und ich möchte sie hier nicht wiederholen.

Ich selbst lernte regelrecht von einem japanischen Sensei, wie ich (seiner Ansicht nach) ordentliche Gōrei zu geben habe, also in welcher Lautstärke, in welchem Tonfall, in welchem Timing in bezug zu den Schülern und in bezug zu meiner eigenen Technik.

Gōrei können unglaublich gut dabei helfen, unmotivierte Leute anzuheizen, eine Trainingsgruppe zu motivieren, die Laune und die Aufmerksamkeit zu steigern. Mit richtig eingesetzten Gōrei kann ein Rhythmus kreiert werden, Techniken sehen und fühlen sich zackiger oder auch kontrollierter an. Ein Karateka, der gut mit Gōrei umgehen kann, steht mit seinen Kommandos einem Drill Instructor kaum mehr nach. Und weil Gōrei so toll sind, müßte mal jemand auf die Idee kommen, einen Tonträger mit Gōrei auf den Markt zu bringen – „Karate mit Beats“ oder so ähnlich…

Wie auch immer. Nachdem ich bei meinem Karate-Lehrer anfing, war eines der ersten Dinge, das er bei mir diagnostizierte, etwas, das ich mal als die „Gōrei-Krankheit“ bezeichnen möchte. Gōrei fressen sich unmerklich in den Körper und den Geist eines Karateka. Einmal befallen, gibt es nur eine Möglichkeit, sich von den Symptomen zu befreien: Nie wieder Gōrei verwenden, weder aktiv, noch passiv! Aber dies geht – und das schreibe ich aus leidiger Erfahrung – nur sehr langsam und mühevoll.

Das Weglassen der Gōrei selbst ist relativ einfach (also wenn man sich nicht gerade innerhalb eines Umfeldes, das von Größen des Sport-Karate oder seiner Institutionen geprägt ist, bewegt). Doch die Symptome der Gōrei-Krankheit lassen sich nur sehr mühselig beseitigen. Wie genau diese Symptome aussehen, soll an anderer Stelle besprochen werden. Jetzt nur soviel: Die Gōrei-Krankheit wirkt sich auf die technische Wirksamkeit des Karate aus – und zwar ganz grundlegend. Sie behindert oder verhindert – abhängig von der Zielstellung des Keiko selbstverständlich – technischen Fortschritt.

Genau deswegen haben Gōrei keinen Platz im Karate meines Sensei und damit in meinem Karate.

Wichtig wäre noch festzuhalten, daß Gōrei ganz klar „nur“ ein Stein innerhalb eines – im Idealfalle – in sich schlüssigen Lehrgebäudes sind. D.h., nur durch ihre Beseitigung allein entsteht nichts, das plötzlich mehr Güte oder Wert hätte. Dennoch hat jeder Stein im Lehrgebäude eine Bewandtnis oder besser eine Wirkung, die sich positiv oder negativ bei der angestrebten Verwirklichung meines Trainingsziels bemerkbar macht.

© Henning Wittwer